«Arbeitssicherheit ist viel mehr als ein notwendiges Übel»

14. Dezember 2018 agvs-upsa.ch – Mit 25 Jahren machte er sich als Carrosseriespengler und -lackierer selbstständig, acht Jahre später führt Fabian Eugster einen Garagen- und Carrosseriebetrieb mit elf Angestellten. Höchste Zeit, sich auch dem Thema Arbeitssicherheit zu widmen.
 
sco. Mit dem Thema in Berührung kam Fabian Eugster, als er vor drei Jahren mit seinem damaligen Kleinbetrieb umzog. Ganz in der Nähe seines Standorts in Thal SG wurde nach der Liquidation einer Firma, die mit Autoersatzteilen und Eisenwaren gehandelt hatte, eine Halle frei. Eugster hatte sich schon vorher Gedanken gemacht, wohin er sein junges Unternehmen steuern soll. «Klein bleiben war damals spannend – aber was würde die Zukunft bringen?»


Schutz der Mitarbeiter und Schutz der Unternehmung: Das Thema Arbeitssicherheit muss ganzheitlich betrachtet werden.

Die Zukunft brachte rasantes Wachstum: «Meine Vision war immer, alles unter einem Dach anzubieten: Carrosserie, aber auch Diagnose, Wartung, Reparatur, Kalibrierung von Assistenzsystemen.» Der gelernte Carrosseriespengler und -lackierer tat sich deshalb mit dem Mechatroniker Lino Spengler zusammen. «Er kümmert sich um die Garage, ich mich um die Carrosserie.» Das junge Duo – Fabian Eugster ist 33, Lino Spengler 29 Jahre alt – entpuppte sich als «Dream Team». Inhaber Eugster beschäftigt drei Jahre nach dem Umzug elf Mitarbeitende.

Wachstum dank Mund-zu-Mund-Propaganda
«Ich habe ein grosses Netzwerk», nennt er einen der Gründe für die Entwicklung im Formel-1-Tempo. Im Weiler Wienacht, einen Steinwurf von Thal entfernt, aufgewachsen, kennt Eugster in der Region Hinz und Kunz. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: «Die Qualität ist enorm wichtig. Ich gebe offen zu: Ich bin pingelig, ich kann mich an Kleinigkeiten stören. Für meine Mitarbeiter ist das nicht immer einfach. Aber wir sind da, wo wir sind, weil ich nichts Halbpatziges abliefere.» Lieber informiere er einen Kunden, dass er sich noch einen Tag lang gedulden müsse. «Diese Ehrlichkeit und Transparenz spüren und schätzen die Leute.»

Mit dem Wachstum seines Unternehmens kam eine neue Herausforderung auf Fabian Eugster zu, bei der seine selbst deklarierte «Pingeligkeit» ebenfalls ein grosser Pluspunkt ist: die Arbeitssicherheit. Nachdem er beim Bauamt in Thal sein Gesuch zur Umnutzung eingegeben hatte, erhielt er Besuch vom kantonalen Arbeitsinspektorat.

«Es war das erste Mal, dass ich mich mit diesem Thema überhaupt auseinandergesetzt habe.» Mit dem Beitritt zum AGVS entschied sich der junge Unternehmer zur Branchenlösung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz BAZ, machte die Grundschulung, später Kurse über die Onlinelösung «asa-control» und merkte schnell: «Arbeitssicherheit ist viel mehr als ein notwendiges Übel. Mir hat es geholfen, die Abläufe im Betrieb zu verbessern und meinen Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übertragen. Und nicht zuletzt schütze ich mich als Unternehmer.»

Trägerschaft der Branchenlösung sind neben AGVS und VSCI auch die Verbände 2rad Schweiz und Reifen-Verband der Schweiz (RVS). Gemeinsam mit dem Arbeitsinspektorat analysierte Eugster jeden Bereich seines Betriebs und definierte den Handlungsbedarf. Konkrete Resultate sind beispielsweise zusätzliche Auffangwannen für Flüssigkeiten, die persönliche Schutzausrüstung (PSA) für jeden Mitarbeiter oder auch die beiden Apothekerschränke, die an gut zugänglichen Orten im Betrieb installiert sind. Als Nächstes steht im Dezember eine interne Schulung für die richtige Benützung der Feuerlöscher an: «Einer meiner Mitarbeiter ist in der Feuerwehr. Er wird das übernehmen.»


Fabian Eugster (links) und sein stv. Geschäftsführer Lino Spengler.

G
erade in Bezug auf die PSA drückt der Pedant in Fabian Eugster durch: Schutzschuhe für die gesamte Belegschaft habe er «durchgeboxt», erzählt der Jungunternehmer. «Und ich reagiere höchst allergisch, wenn ich jemanden ohne Schutzbrille beim Schleifen erwische.»

Einen Vorteil in Sachen Arbeitssicherheit hat die kurze Geschichte der Auto Eugster AG. «Unsere Werkzeuge, Maschinen und Geräte sind alle neu.» Damit die Infrastruktur auf dem hohen Sicherheitsniveau bleibt, ist ein Mitarbeiter für die Wartung und den Unterhalt zuständig. Auch hier sei die Branchenlösung ein gutes Instrument, so Fabian Eugster, weil sie vorschreibt, dass alle Maschinen mit ihren Wartungsplänen erfasst werden. «Das ist für mich als Unternehmer vorteilhaft: Früher hatte ich mir nie die Mühe gemacht, Stellenbeschriebe festzulegen.» Heute ist er daran, für jeden Mitarbeitenden Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten zu definieren.

Arbeitssicherheit als steter Prozess
Arbeitssicherheit bezeichnet Eugster als steten Prozess: «Es hört nie auf.» Ist die Checkliste für einen Bereich abgearbeitet, beginnt die Arbeit in der nächsten Abteilung. Sind sämtliche Abteilungen analysiert und zertifiziert, startet der Prozess von Neuem – mit der Gefahrenermittlung: «Die Branchenlösung ist ein aufwändiger Prozess, aber sehr sinnvoll. Zum Schutz der Mitarbeitenden, aber auch des Unternehmens.»

Stetig wie der Prozess im Bereich Arbeitssicherheit geht es auch mit der Entwicklung der Auto Eugster AG weiter. Fabian Eugster möchte in jeder seiner drei Abteilungen (Spenglerei, Lackiererei, Garage) noch wachsen. «Wir müssen uns so aufstellen, dass wir für die Kunden, Versicherungen und andere Garagen als Partner interessant bleiben.» Mit verschiedenen Versicherern ist Eugster bereits Partnerschaften eingegangen, weitere sollen folgen. Die Arbeitssicherheit sei ein Trumpf in den Verhandlungen: «Auch die Versicherungen achten sehr auf dieses Thema.»


Jeder Mitarbeitende der Auto Eugster AG verfügt über eine PSA.

Fabian Eugster ist ein Unternehmer, der mit viel Zuversicht in eine herausfordernde Zukunft blickt. Ab 2019 ist er Servicepartner zweier Marken, ein weiterer Meilenstein für seinen Betrieb. Den technologischen Wandel geht er aktiv an, hat in die Diagnose und die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen investiert. Und kürzlich ermunterte er einen Mitarbeiter, sich im Bereich Hochvolt weiterzubilden, um auch Elektrofahrzeuge reparieren und warten zu können: «Man muss offen sein für die Veränderungen in der Industrie und in unserer Branche. Ich glaube nicht, dass uns die Arbeit ausgeht. Es können nicht alle elektrisch fahren, und bevor das autonome Fahren kommt, müssen zuerst viele rechtliche Fragen geklärt sein.»

Und selbst wenn wir uns in ferner Zukunft in autonomen Fahrzeugen herumkutschieren lassen, werde es noch genug zu tun geben: «Vielleicht klopfen wir dann etwas weniger Beulen und kalibrieren umso komp­lexere Assistenzsysteme…» 

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