33'397 Besucher am Schweizer Nutzfahrzeugsalon

20. November 2017 agvs-upsa.ch - Grösser, schöner, besser. Die neunte Ausgabe der transport-CH in der Bernexpo setzte neue Massstäbe im Bereich Nutzfahrzeuge. 270 Aussteller präsentierten sich und ihre Produkte auf 52‘000 Quadratmetern. Mit 33'397 Besuchern wurde der Besucherrekord aus dem Jahre 2015 nahezu egalisiert (-1,4%). Das Motto der transport-CH lautet «e-motions». Es versprach nicht zu viel.


Thomas Jäggi vom AGVS unterstützt einen Interessierten im «Verbandsdorf» beim Bau eines Modell-LKW.

sco/tki. «‹e-motions› bedeutet, dass die immer effizienter und umweltschonender werdende Dieseltechnologie bei uns ebenso ihren Platz hat wie die Elektromobilität», stellte OK-Präsident Dominique Kolly am Donnerstagmorgen bei der Eröffnung des Schweizer Nutzfahrzeugsalons klar. Ziel der vier Tage in Bern sei es, die Faszination Nutzfahrzeuge erlebbar zu machen, so Kolly vor mehr als 400 Gästen. Mit 270 Ausstellern wurde ein neuer Ausstellerrekord erreicht, doch die Organisatoren haben sich auch thematisch hohe Ziele gesetzt. «Wir wollen die aktuellen Themen der Branche aufnehmen und den Besuchern einen Mehrwert liefern», sagte Messeleiter Jean-Daniel Götschi.
 
Aktuelle Themen sind – nicht nur bei den Nutzfahrzeugen – vor allem Fragen rund um die Antriebstechnik. Diese standen am Automotive Day zum Thema «Mobilität im Wandel – alles in Bewegung» im Fokus. Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra), identifizierte zwei Megatrends im Verkehr: «Intelligente Mobilität und Elektromobilität.» Als Chef der Schweizer Nationalstrassen steht bei Röthlisberger die Infrastruktur im Fokus. Die Kapazität könne einerseits durch zusätzliche Verkehrsfläche erhöht werden, andererseits bestehe auch im Verkehrsmanagement ein Potenzial von zehn bis 20 Prozent: «Wir müssen das, was wir schon haben, besser nutzen!» Auch müssten die Schnittstellen zwischen öffentlichem und privatem Verkehr verbessert sowie Sharing und Pooling gefördert werden. Am Rande gab Röthlisberger unumwunden zu, dass auch er ab und zu eine Sitzung verpasse, weil er im Stau stecke…
 
«Das Problem ist nicht der Antrieb»
Martin Kyburz, der mit seiner Kyburz Switzerland unter anderem die elektrisch betriebenen Dreirad-Motorräder der Post herstellt, präsentierte in seinem Referat, wie er sich intelligente Mobilität vorstellt. Der elektrische Truck, den Tesla zufälligerweise ebenfalls am Donnerstag vorstellte, werde das wohl nicht sein. «Das Problem ist nicht der Antrieb, sondern der Kollaps der Verkehrswege.» Die Lösung, die Martin Kyburz vorschwebt, ist ein autonom fahrendes Vehikel für die Feinverteilung: «Nessie» heisst das Projekt, das nicht viel mehr sei als ein «Palett auf Rädern mit einigen Sensoren».
 
Mit Elektromobilität befasst sich Armin Knüsel, Leiter Distribution beim Bäckereizulieferer Pistor. 2015 nahm Pistor den ersten Elektro-LKW in Betrieb. Mit dem 18-Tönner wird die Stadt Luzern beliefert. Knüsel: «Das Fahrzeug hat die Erwartungen fast zu 100 Prozent erfüllt. Die Reichweite von 100 bis 150 Kilometern passt für Luzern und Umgebung. In drei Stunden sind die Batterien von 0 auf 100 Prozent geladen und die Nutzlast von 6,2 Tonnen ist ausreichend.» Die Investition sei zwar doppelt so hoch wie für einen Diesel-LKW, aber dank tieferen Betriebskosten (Energie, Wartung!) lasse sich das wettmachen. Im Dezember nimmt Pistor den dritten Elektro-LKW in Betrieb. Knüsel geht mittelfristig von einer Kombination von Diesel und Elektro aus: «Auf längeren Distanzen braucht es weiterhin den Diesel.»
 
«e-motions» kamen beispielsweise auf der Teststrecke im Aussengelände vor, wo alternativ angetriebene Nutzfahrzeuge getestet werden konnten. Unter anderen stand auch einer der drei Elektro-LKW von Pistor zur Verfügung. Auf der langen Strecke ist der Diesel das Mass aller Dinge - und dürfte es auf absehbare Zeit bleiben. Im Vergleich zur letzten Messeaustragung vor zwei Jahren wurde der Bereich der Zulieferer in Zusammenarbeit mit Swiss Automotive Aftermarket SAA organisiert: Von den 270 Ausstellern waren 100 aus der Zulieferbranche. Auch der AGVS war präsent: Gemeinsam mit Partnerverbänden warb er im sogenannten «Verbandsdorf» um Talente für das Autogewerbe.
 
AGVS mit Partnerverbänden
Der gemeinsame Auftritt mit Verbänden wie Les Routiers Suisses, Auto-Schweiz, dem Carrossierverband VSCI oder auch dem Nutzfahrzeugverband Astag sei keineswegs ein Risiko, meinte Thomas Jäggi vom AGVS: «Es ist sinnvoll, dass die ganze Branche hier zusammenarbeitet. Das Interesse seitens der Jugendlichen ist gross.» Highlight im sogenannten «Verbandsdorf» war der Transportprcours: Interessierte durften einen Modell-LKW zusammenbauen, dekorieren und anschliessend mit nach Hause nehmen.
 
Drei, die ihre Berufswahl schon getroffen haben, hatten ihren Auftritt an der Eröffnungsfeier: Vom VSCI und vom AGVS waren die an den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi prämierten Berufsleute Heiko Zumbrunn (Carrossier Spenglerei, Silber), Maurus von Holzen (Carrossier Lackiererei, Bronze) und Riet Bulfoni (Automobiltechnik, Diplom) mit von der Partie. Automobil-Mechatroniker Bulfoni brach dabei erneut eine Lanze für das duale Bildungssystem der Schweiz. «Wenn der Motor nicht läuft, obwohl die Diagnose keinen Fehler ergab, kann der Theoretiker nur feststellen, dass er eigentlich laufen müsste…», betonte der Engadiner die Bedeutung des praktischen Teils der Berufsbildung und sorgte für Lacher im Saal.
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